Samstag, 31. Januar 2004

Die letzte Woche

So ein Mist... Meine Aufzeichnungen der letzten Woche in Mailand sind irgendwie verloren gegangen. Da ich in Italien kein gescheites Internet hatte, habe ich mein Tagebuch für die letzte Woche vorgeschrieben und wollte es später dann zuhause ins Netz stellen. Da ich viel zu tun hatte bin ich nicht gleich dazu gekommen und jetzt find ich meine Einträge nicht mehr. Also muß ich noch ganz grob erzählen an was ich mich noch erinnern kann...

Am Wochenende waren wir in Pordenone im Geschäft meines Onkels. Er hat dort einen Laden in dem er Obst und Gemüse verkauft, daß er auf Sizilien anbaut. Hauptsächlich hat er natürlich Apfelsinen und Zitronenplantagen aber man bekommt in dem Geschäft eigentlich so ziemlich alles was in Sizilien wächst. Mein Onkel und meine Tante waren allerdings dieses Wochenende nach Sizilien gefahren. Also haben wir unsere Cousins Alfio und Marco besucht die das Geschäft weiter führen. Ich habe dann noch ein paar Stunden im Laden geholfen ... war echt lustig.

Also wenn das mein Geschäft wäre, hätte ich einge Ideen und Verbesserungsvorschläge. Ich denke ich sollte mal mit meinem Onkel sprechen. Dann sind wir etwas essen gegangen. Wer mal nach Pordenone kommt, der sei gewarnt. Es gibt scheinbar kein Restaurant in der Stadt. Es gab ein Steakhouse in das meine Schwester nicht wollte, weil es – zugegeben – wirklich unverschämt teuer war. Im einzigen Restaurant, daß wir dann finden konnten musste man fast eine halbe Stunde auf einen Tisch warten und so haben wir uns mit einer Pizzaria begnügt, von denen es wirklich genug gibt. Meine Schwester und ich hatten jedoch im Gegensatz zu Antonio und meinen beiden Cousins keine Lust auf Pizza und haben uns Nudeln bestellt. Böser Fehler. Während sie Pizza anscheind wirklich gut machen konnten, waren sie beim Nudeln kochen anscheind noch am lernen... im Endeffekt hat es geschmeckt wie Microwellennudeln ... nur ohne Salz.

Abends wollten meine Cousins unbedingt Bingo spielen... da ich noch nie Bingo spielen war, wollte ich mir das ganze mal anschauen. Ein selten blödes Spiel. Jetzt bin ich ja zum Glück wirklich sehr unanfällig gegen Glücksspiele – das habe ich damals schon im Casino von Luzern oder in Monaco gemerkt, wo ich mit einer Mark (damals gab es noch keinen €uro) den ganzen Abend ausgekommen bin. Wer sich also wirklich eine Grenze setzen kann, sollte sich das ruhig mal anschauen denn es war schon mal lustig und eine nette Atmosphäre. Allerdings ist das mit den Grenzen setzen so eine Sache und jeder denkt von sich selbst, daß er es kann. Von den Menschen die ich jedoch dort gesehen habe hatten sich die meisten nicht im Griff. Es war schon ein nettes Gefühl als das Pärchen, die bei uns am Tisch waren gewonnen hatten und das hübsche Mädel vom Bingosaal den Gewinn (über 500€ bei 3€ Einsatz) ausgezahlt hat. Aber wie uns die beiden dann mitteilten, hatten sie damit ihren Verlust von diesem Tag noch nicht gedeckt, da sie schon seit 5 Stunden da waren und schon ein paar hundert €uro mehr verloren hatten. Ich hatte mir als Limit 15€ gesetzt und die habe ich auch verloren. Aber dann war für mich auch Schluß. Allerdings hatte ich nicht wirklich damit gerechnet zu gewinnen... Im Gegensatz zu de meisten anderen Menschen, die man dort getroffen hat.

Am nächsten Tag sind wir mittags wieder zurück, daß wir auf dem Rückweg noch in der romantischen Stadt Verona vorbeifahren wollten. Nicht jedoch bevor wir uns noch etwas Obst und Gemüse eingepackt hatten.... Etwas ist gut. Ich hatte das Gefühl wir haben den ganzen Laden mitgenommen. Über 30 Kilo Apfelsinen, 10 Kilo Blutorangen, Auberginen, Zucchini, Tomaten, Brockoli, Blumenkohl, Kirschtomaten. Pistazien, Oliven, verschiedenes eingelegetes Gemüse usw....

Leider sind wir relativ spät in Verona angekommen, so das wir von dem schnuckeligen Städchen nicht viel sehen konnten. Wer sich für soetwas interessiert, der sollte zwei Tage (oder zumindest einen ganzen Tag von morgends bis abends) einplanen. Verona ist bekanntlich die Stadt, in der sich die tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia zugetragen haben soll. Aber die Stadt hat noch einiges mehr zu bieten als Julias Haus und den wohl berühmtesten Balkon der Welt, mit dem die Romanze damals begann. Die Arena ist neben dem Coloseum in Rom das größte antike Theater Italiens, an jeder Ecke stehen Statuen und Skulpturen (z.B. von Dante), hinter jeder kleinen romantischen Gasse findet man einen großen Platz oder ein besonders schönes Gebäude. Die Häuschen sind schön verziert und auch Abends ist die Stadt wunderschön beleuchtet. Das Haus von Julia wurde in ein Museum umgewandelt, das ich jedoch etwas enttäuschend fand. Von außen war es jedoch interessant. Die komplette Wand des Hauses ist beschriftet und mit Zetteln beklebt auf denen Millionen über Millionen Liebesschwüre hinterlassen wurden. Im Innenhof der berühmte Balkon unter dem eine etwas zu groß geraten Statue von Julia steht. Man sagt, wenn man Julias Arm berührt, bringt das Glück – und wenn man ihre Brust berührt, findet man innerhalb eines Jahres den Partner seiner Träume. Ich bin dann mal auf Nummer sicher gegangen und hab nicht nur ihren Arm berührt, sondern gleich beide Brüste... sicher ist sicher ;-) Ich werde euch auf dem laufenden halten, ob an den Geschichten wirklich etwas dran ist, oder ob das alles nur Aberglaube ist . Schade, daß es jetzt schon so lange her ist daß wir da waren, da die meisten Impressionen schon langsam verblassen und ich es schon nicht mehr so schön beschreiben kann.

In der letzten Woche hatte ich sowieso nicht so viele freie Zeit zur Verfügung, da ich nach der Schule ins Büro musste um zu arbeiten. Ich bin aber vorher noch jeden Tag nach der Schule mit Yoko Mittagessen gegangen und Donnerstag abend war ich mit Yoko und Akiko abends nochmal in einem Bistro. Der angekündigte Streik für diese Woche wurde zum Glück abgesagt, so daß ich ohne Probleme überall hingekommen bin. Im Büro war es ziemlich interessant meine Kollegen kennen zu lernen und zu sehen wie dort gearbeitet wird. Selbst arbeiten konnte ich jedoch nicht viel, da man zu lange braucht um sich reinzufinden und ich nur nachmittags da war. Als ich am Samstag zurück geflogen bin, war ich – wie immer wenn ich Italien verlassen muß – sehr traurig. Die Schule hat mir sehr viel Spaß gemacht, ich habe einige sehr nette Freunde gefunden und Mailand ist trotz Verkehrschaos, Smog und grauem Himmel eine sehr schöne und interessante Stadt.

Auf dem teuren Lufthansa-Flug konnte man wieder zwischen dem obligatorischen Wurst oder Käsebrötchen wählen und im Gegensatz zum Hinflug gab es diesmal nicht mal eine gut aussehende Stewardess.