Wo dieses Jahr Weihnachten wieder erwarten kein emotionaler Absturz war, war Silvester um so schlimmer. Ich war ziemlich überrascht, daß ich die Feiertage vom 24. bis 26. und auch die Vorweihnachtszeit so gut überstanden habe. Wobei man natürlich auch bedenken muß, daß das Weihnachtsfest an sich ziemlich bescheiden ausgefallen ist und daß wir am 2. Feiertag ja unseren Tauchkurs hatten auf den ich mich schon den ganzen Dezember gefreut hatte - das lenkt natürlich ab.
Sylvester haben wir dann mit ein paar Freunden verbracht. Wir haben uns bei unserem Mexikaner im Crazy Cactus einen eigenen Raum organisiert und haben dann dort gefeiert... wobei gefeiert wohl das falsche Wort ist...
Ich hab schon morgens gemerkt daß ich überhaupt keine Lust darauf habe und hab den ganzen Tag überlegt ob ich es nicht absagen soll. Letztendlich war es mein Vater, der mich überredet hat doch hinzugehen. Er hatte kurz vor seinem Tod gesagt daß ich mich mehr um meine Freunde kümmern sollte und meine sozialen Kontakte pflegen muß. Den Satz hatte ich den ganzen Tag im Kopf und so hab ich mir einen Ruck gegeben und kurz nach 20 Uhr waren wir da. Meine Unlust dieses furchtbare Jahr 2005 zu verabschieden hielt sich den ganzen Abend und wurde größer je näher die Uhr auf Mitternacht rückte.
Das Erste was mir dann einfiel als die Sektkorken knallten und die ersten Raketen in den Himmel geschossen wurden war: Super - nächstes Jahr wirst du 30 :-(
Für die, die jetzt rechnen: ich bin jetzt 28 und wir haben 2006. Dieses Jahr werde ich also 29 und nächstes Jahr 30. Ich hoffe ich habe den anderen mit meiner depressiven Laune nicht die Stimmung verdorben, aber ich konnte einfach nicht so tun als ob ich glücklich wäre. Dieses auf Kommando fröhlich sein ist nichts für mich. Da bin ich vermutlich zu ehrlich und zu authentisch für.
Da sich meine Lust auf Party auch nach Mitternacht nicht wesentlich gesteigert hatte und ich den anderen ihre Feier nicht am Ende noch wirklich verderben wollte, haben wir uns still und leise verdrückt, als die anderen ihre Raketen verschossen hatten und wieder rein sind um die nächste Flasche Sekt zu öffnen... Wir wollten noch mal nach meiner Mutter sehen, aber offensichtlich ging es ihr ähnlich wie mir. Denn obwohl das neue Jahr gerade mal 30 Minuten begonnen hatte als wir bei ihr ankamen, lag sie schon im Bett. Schon seltsam - ich hätte bis vor kurzem gewettet, daß Weihnachten schlimmer wird als der Jahreswechsel, aber anscheint hat der Charakter von Sylvester - den Anfang eines neuen Lebensabschnittes - eine stärkere psychologische Wirkung als die Weihnachtszeit. Wir sind dann noch auf dem Friedhof vorbei und haben meinem Vater - genau wie in der Nacht an Heilig Abend - eine Kerze angezündet und sind dann auch nach Hause.
Wir schließen das Jahr 2005 also ab in ewigem Gedenken an meinen Vater Giosué Caserta und unsere Freunde Peter Basinski und Kai Wupperfeld. Der einzige Trost der in dieser Nacht bleibt ist die Hoffnung, daß 2006 nur besser werden kann.
